Blog der Physiotherapie Praxis Birgel / Reutlingen

Ist dehnen sinnvoll?

In diesem Artikel kläre ich eine Frage, die Sie sich vielleicht auch schon gestellt haben.

Ist dehnen sinnvoll?

Wenn man das Thema googelt, findet man überwiegend die Meinung, dass dehnen wichtig ist, um beweglich zu bleiben und Muskelverkürzungen zu verhindern. Auch viele Trainer und Sportler sind dieser Meinung und doch gibt es immer wieder Fachleute, die das Thema ganz anders sehen.

Selbst die Wissenschaft scheint sich nicht einig zu sein und viele Patienten, die zu uns nach Reutlingen in die Physiotherapie kommen, sind sich unsicher, ob sie nun dehnen sollen oder nicht.

Mein Standpunkt zu diesem Thema bekam ich v.a. durch die Studien meiner Manuellen Therapie Fortbildung (IAOM). Außerdem sammelte ich an mir selbst, an Sportler und an meinen Patienten
im Laufe der Jahre viele Erfahrungen, weshalb ich nun zum Thema „dehnen“ das folgende sagen kann:

Dehnen ist völlig überbewertet und sollte nicht als Hauptbestandteil der körperlichen Fitness angesehen werden. Im Vergleich zu Ausdauer, Muskelkraft und unserer Körperzusammensetzung gibt es bei der Dehnfähigkeit keinen überzeugenden Zusammenhang mit der körperlichen Gesundheit.

Wenn ein Mensch z. B. Übergewichtig ist oder wenig Ausdauer und Muskelkraft hat, kann man sagen, dass er eine erhöhte Sterblichkeitsrate hat. Auch wissen wir aus Studien, dass die Muskelkraft, die ein Mensch im mittleren und höheren Alter hat, sehr genau voraussagt, wie gut dieser Mensch im späteren Leben Alltagsaktivitäten durchführen kann.

Bei der Beweglichkeit treffen diese beiden Dinge aber nicht zu und Leute, die weniger dehnbar sind,
haben weder eine erhöhte Sterblichkeitsrate, noch müssen sie im Alter mehr eingeschränkt sein.
Und das interessante ist, dass die Lebensqualität auch keineswegs schlechter wird, wenn man
weniger dehnfähig ist.

Bei allen anderen Fitnesskomponenten konnte man hingegen eindeutig feststellen, dass diese die Lebensqualität oftmals ziemlich stark herabsenken.

Ich könnte diese Forschungsergebnisse ewig so weiterführen, doch einfach gesagt, münden alle in der gleichen Aussage:
Beweglichkeit bzw. Dehnfähigkeit ist keine besonders wichtige Eigenschaft für unsere Gesundheit.
Ganz im Gegenteil ist es sogar so, dass eine zu hohe Beweglichkeit zu Instabilitäten und stärkeren Verletzungen führen kann.

Ich empfehle Ihnen und auch meinen Patientin in unserer Physiotherapiepraxis in Reutlingen daher, das Dehnen als nicht notwendig anzusehen.

Aber verkürzen sich dann nicht meine Muskeln und ich werde steifer? (fragen Sie sich vielleicht gerade)

Nein, keine Sorge:

Ihre Muskeln können sich nicht verkürzen und durch dehnen wird Ihr Muskel in der Realität auch nicht länger, sondern ihr Gehirn lässt nur mehr Länge zu (was aber nicht notwendig ist, außer Sie
wollen die Ballett-Meisterschaft gewinnen).

Wenn Sie ein wenig dehnen, einfach weil es „gut tut“ dürfen Sie das ruhig machen. Erhoffen Sie sich aber nicht zu viel davon. Das einzige was Sie durch das Dehnen vielleicht ein wenig verbessern,
ist Ihre Arterien-Steifigkeit.

Es gibt aktuelle Erkenntnisse, die darauf hindeuten, dass unsere Arterienwände durch häufiges dehnen vielleicht etwas geschmeidiger werden. Ansonsten sind alle anderen Fitnessfaktoren, wie Kraft, Ausdauer und Ihre Körperzusammensetzung viel entscheidender für Ihre Gesundheit.

Wichtig ist, dass Sie ein strukturiertes Krafttraining machen, Ihr Herz-Kreislauf-System fit halten
und sich gesund ernähren. Wenn Sie dann ergänzend sanft dehnen, ist das ok.

Um ehrlich zu sein, können Sie sich diese Zeit aber auch sparen (ganz ohne schlechtes Gewissen).